´´Unternehmen, die mit Gefahrgut zu tun haben, ob als Absender, Verlader, Verpacker oder Beförderer, sind gesetzlich verpflichtet, für den Transport gefährlicher Güter im Straßen-, Schienen- oder Wasserverkehr mindestens einen Gefahrgutbeauftragten schriftlich zu bestellen. Aber nur, wer eine Ausbildung zum Gefahrgutbeauftragten hat, darf als solcher tätig werden.
Einige der Fachkräfte für Arbeitssicherheit von Arbeitssicherheit-Fachkraft sind selbst als externe Gefahrgutbeauftragte tätig und haben eine entsprechende Schulung erfolgreich absolviert. Wir kennen daher die Anforderungen und Herausforderungen aus der Praxis. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Inhalte die Ausbildung zum Gefahrgutbeauftragten vermittelt, wie die Prüfung abläuft und wie Sie von dieser Qualifikation im Berufsalltag profitieren können.
Kann jeder als Gefahrgutbeauftragter tätig sein oder gibt es Voraussetzungen?
Nicht jeder kann ohne Weiteres die Aufgaben eines Gefahrgutbeauftragten übernehmen. Zwar gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Berufsausbildung oder ein festgelegtes Mindestalter, dennoch müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Grundvoraussetzung ist die Teilnahme an einer anerkannten Gefahrgutbeauftragten-Ausbildung sowie das Bestehen einer entsprechenden Prüfung. Erst mit dem gültigen Schulungsnachweis darf man als Gefahrgutbeauftragter tätig werden.
Darüber hinaus wird von angehenden Gefahrgutbeauftragten ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, Sorgfalt und Zuverlässigkeit erwartet. Persönliche Eignung ist daher ebenso wichtig wie die Ausbildung selbst, da die Position eigenständiges und gewissenhaftes Arbeiten voraussetzt.
Die Ausbildung allein macht also noch niemanden zum Experten. Einfluss haben auch praktische Erfahrung im Umgang mit Gefahrgut, wie beispielsweise bei der Gefahrgut Kennzeichnung. Auch die Bereitschaft, sich regelmäßig weiterzubilden und auf dem aktuellen Stand zu bleiben, ist eine wichtige Voraussetzung, um erfolgreich als Gefahrgutbeauftragter zu arbeiten. Besonders wertvoll ist hier die sogenannte „intrinsische Motivation“. Das heißt das eigene, von innen heraus getriebene Interesse, sich fachlich weiterzuentwickeln und Neues zu lernen, ohne dazu von außen gezwungen zu werden.
Von Vorteil ist es außerdem, wenn man bereits Vorkenntnisse aus verwandten Fachgebieten mitbringt. Typische Beispiele hierfür sind Chemiker, Ingenieure, Logistikfachkräfte, Gefahrstoffbeauftragte oder Personen mit technischem Hintergrund im Speditions- und Transportwesen. Solche Qualifikationen erleichtern das Verständnis der komplexen rechtlichen und fachlichen Anforderungen und fördern eine praxisnahe Umsetzung im Arbeitsalltag.
Kurz gesagt: Die Tätigkeit als Gefahrgutbeauftragter ist offen für engagierte Quereinsteiger, wird jedoch durch einschlägige Erfahrung, eigene Motivation und fachliches Vorwissen deutlich erleichtert. Wer sich auf diesem Gebiet dauerhaft qualifizieren und behaupten möchte, sollte daher bereit sein, sich eigenständig fortzubilden und Verantwortung zu übernehmen.
Aufbau der Ausbildung als Gefahrgutbeauftragter
Die Schulung zum Gefahrgutbeauftragten ist bundesweit einheitlich geregelt und vermittelt praxisnahes Wissen für die sichere und gesetzeskonforme Beförderung gefährlicher Güter auf verschiedenen Verkehrsträgern. Die Schulung richtet sich sowohl an Mitarbeitende, die im eigenen Unternehmen Aufgaben in der Gefahrgutlogistik, im Transport oder in der Überwachung übernehmen möchten als auch an Personen, die als externe Gefahrgutbeauftragte für verschiedene Betriebe tätig werden wollen.
Für jeden Verkehrsträger (Straße, Schiene, Wasser- und Luftweg) existieren spezifische gesetzliche Vorgaben, sodass sich auch die Inhalte der Schulung entsprechend unterscheiden.
Deshalb ist für jeden einzelnen Verkehrsträger eine gesonderte Grundausbildung erforderlich. Wer beispielsweise als Gefahrgutbeauftragter für Straße und Schiene tätig werden möchte, muss zuerst die Grundschulung für einen Verkehrsträger absolvieren und für jeden weiteren Verkehrsträger ein zusätzliches Modul besuchen. Diese ergänzenden Module bauen auf der jeweiligen Grundausbildung auf und vertiefen die spezifischen Vorschriften und praktischen Anforderungen für das jeweilige Transportmittel.
Der Grundkurs für den ersten Verkehrsträger (beispielsweise Straße, Schiene, Binnenschiff oder See) umfasst 30 Unterrichtseinheiten zu jeweils 45 Minuten. Daraus ergibt sich eine Gesamtdauer von etwa 22,5 Stunden. Für jeden weiteren Verkehrsträger kommt ein Zusatzmodul mit 10 Unterrichtseinheiten, also rund 7,5 Stunden, hinzu (§ 5 GbV „Schulungsanforderungen“).
Die Schulungen stehen sowohl als Präsenzveranstaltungen als auch als Online-Kurse zur Verfügung. Voraussetzung für die Teilnahme an der IHK-Prüfung nach der Gefahrgutbeauftragtenverordnung (GbV) ist der Abschluss einer solchen offiziellen Schulung, die überall in Deutschland nach denselben Standards abläuft.
Inhalte der Gefahrgutbeauftragter Schulung
Der Lehrplan ist an den gesetzlichen Vorgaben ausgerichtet, insbesondere an der GbV und internationalen Vorschriften wie dem ADR, dem Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße. Die wichtigsten Themenbereiche bei der Schulung für zukünftige Gefahrgutbeauftragte sind:
- Rechtsgrundlagen: Vermittlung nationaler und internationaler Vorschriften für Gefahrguttransporte, einschließlich der Beratungspflichten aus der GbV.
- Aufgaben und Verantwortung: Die Rolle des Gefahrgutbeauftragten im Betrieb, Verantwortlichkeiten entlang des gesamten Gefahrguttransports, Beratung und Unterstützung der Unternehmensleitung.
- Klassifizierung und Dokumentation: Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrgütern, korrekte Erstellung und Kontrolle erforderlicher Begleitpapiere, Anforderungen an Verpackungen, Container und Fahrzeuge.
- Praktische Umsetzung im Unternehmen: Organisation und Ablauf von Transporten, Ladungssicherung, Kontrolle von Versandstücken und Sicherheitsausrüstung, Maßnahmen zur Unfallverhütung und im Notfall.
- Berichts- und Nachweispflichten: Erstellung von Jahresberichten, Dokumentation von Vorfällen und ergriffenen Maßnahmen, Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden.
- Spezielle Anforderungen je Verkehrsträger: Für Schiene, See und Binnenschiff werden zusätzliche Inhalte vermittelt, etwa die speziellen Anforderungen an die Trennung und Lagerung von Gefahrgut an Bord.
Abschluss der Gefahrgutbeauftragten-Ausbildung
Die abschließende Prüfung zum Gefahrgutbeauftragten kann unabhängig von der Schulungsstätte und dem Wohnort bei jeder IHK in Deutschland abgelegt werden. Die Prüfung erfolgt schriftlich. Zugelassen sind ausschließlich die relevanten Vorschriftentexte für die jeweiligen Verkehrsträger als Hilfsmittel; andere elektronische Hilfsmittel sind nicht erlaubt. Die Prüfung wird grundsätzlich in deutscher Sprache abgelegt.
Die Dauer der Prüfung richtet sich nach der Anzahl der gewählten Verkehrsträger. Für die Grundprüfung beträgt sie je nach Anzahl der Verkehrsträger zwischen 100 Minuten (bei einem Verkehrsträger) und 250 Minuten (bei vier Verkehrsträgern).
Bei Verlängerungsprüfungen dauert diese zwischen 50 Minuten (ein Verkehrsträger) und 125 Minuten (vier Verkehrsträger). Ergänzungsprüfungen dauern zwischen 50 Minuten (ein Verkehrsträger) und 150 Minuten (drei Verkehrsträger).
Nach bestandener Prüfung wird ein bundesweit anerkannter Schulungsnachweis ausgestellt, der für fünf Jahre gültig ist. Um die Befähigung als Gefahrgutbeauftragter zu behalten, ist vor Ablauf dieser Zeit ein Auffrischungskurs mit anschließender Verlängerungsprüfung zu absolvieren (§ 4 GbV „Schulungsnachweis“).
Was kostet eine Ausbildung zum Gefahrgutbeauftragten?
Die Gesamtkosten einer Ausbildung zum Gefahrgutbeauftragten in Deutschland setzen sich aus den Gebühren für die eigentliche Schulung und der am Ende fälligen Prüfungsgebühr zusammen. Die Preise können je nach Anbieter, Schulungsformat und gewähltem Verkehrsträger (zum Beispiel Straße, Schiene, Binnenschiff oder See) unterschiedlich ausfallen.
Typische Preisspannen für die Gefahrgutbeauftragter Schulung:
Leistung | Preisbereich (netto) | Bemerkungen |
Grundschulung | 800 € – 1.200 € | Meist inklusive Lehrmaterialien, mehrere Tage |
Prüfungsgebühr | 100 – 150 € | Hängt vom IHK-Standort und den Verkehrsträgern ab sowie von Prüfungsart ab (Grund-, Ergänzungs- oder Verlängerungsprüfung) |
Kompletter Kurs inkl. Prüfung | ca. 900 € – 1.500 € | Paketpreise bei verschiedenen Anbietern |
Viele private Anbieter berechnen für die Grundschulung einschließlich Unterrichtsmaterial meist zwischen 900 € und 1.200 €. Die Prüfungsgebühr ist davon getrennt zu entrichten, da die Prüfung üblicherweise bei der Industrie- und Handelskammer abgelegt wird. Einzelne Akademien bieten Grundschulungen bereits ab etwa 845 € (ohne Mehrwertsteuer) an.
Wer sich für die Schulung auf weitere Verkehrsträger qualifizieren möchte, muss je zusätzliches Modul meist mit weiteren 200 € bis 400 € rechnen. Die Prüfungsgebühr der Industrie- und Handelskammer variiert je nach Bundesland und Anzahl der gewählten Verkehrsträger. Die Gebührenordnung der jeweiligen IHK gibt dazu Auskunft; meist wird die Gebühr jedoch offen im Anmeldeprozess zur Prüfung kommuniziert.
Der Gefahrgutbeauftragte im Berufsalltag
Die Qualifikation als interner oder externer Gefahrgutbeauftragter bietet zahlreiche Vorteile im Berufsleben: Mit umfassendem Fachwissen lassen sich gesetzliche Vorgaben zuverlässig umsetzen und effiziente Abläufe in der Gefahrgutlogistik gestalten. Das vertiefte Verständnis für Vorschriften, Dokumentation und Risikomanagement erleichtert die Zusammenarbeit mit Behörden und minimiert das Risiko von Haftungsfällen oder Sanktionen spürbar.
Daraus können sich interessante Entwicklungsmöglichkeiten ergeben – vom Ausbau fachlicher Kompetenzen bis zum Zugang zu verantwortungsvollen Positionen in der Logistik, im Arbeitsschutz oder in der Beratung. Auch das Unternehmen selbst profitiert durch gesteigerte Sicherheit im Betriebsalltag, optimierte Betriebsabläufe und eine gestärkte Wettbewerbsfähigkeit.
Kontinuierliche Weiterbildungen im Bereich Gefahrgut sorgen zusätzlich dafür, dass das eigene Wissen immer aktuell bleibt. So lassen sich nicht nur gesetzliche Anforderungen sicher erfüllen, sondern auch die eigenen beruflichen Perspektiven als Gefahrgutbeauftragter langfristig ausbauen.
Unsere Unterstützung im Arbeitsschutz und bei Gefahrgütern
Sie haben Fragen zum Gefahrguttransport oder benötigen Unterstützung im Umgang mit Gefahrstoffen? Die externen Gefahrgutbeauftragten und Gefahrstoffbeauftragten von Arbeitssicherheit-Fachkraft unterstützen Unternehmen deutschlandweit, wie zum Beispiel in den Metropolregionen Berlin, Köln oder Bremen.
Darüber hinaus beraten und begleiten unsere Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte Ihr Unternehmen in allen Belangen rund um rechtskonformen Arbeits- und Gesundheitsschutz: branchenübergreifend, praxisnah und zu den besten Konditionen.